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7 Atari-Messe proTOS in Hennef

Atari-Messe proTOS in Hennef
26. - 27. November 1994
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"Das Mitbringen von DOSen ist untersagt", konnte man im Kleingedruckten auf der Eintrittskarte zur wichtigsten Atari-Messe 1994, der proTOS in Hennef bei Bonn, lesen. Alle namhaften Atari-Anbieter waren vertreten und stellten den knapp 5000 Besuchern einige Neuentwicklungen vor.


1. ALTERNATIVE PLATTFORMEN

Da Atari selbst nicht auf der Messe vertreten war und sich offiziell voll auf die Spielekonsole Jaguar konzentriert, mußten Fremdanbieter die Frage nach schneller Hardware für die TOS-Plattform beantworten.


MEDUSA T60

Medusa Computer Systems führte den mit Abstand schnellsten TOS-Rechner, den Prototypen des Medusa T60, vor. Ausgerüstet mit einem mit 64 MHz getakteten 68060-Prozessor von Motorola, zeigt der neue Rechner des Schweizers Aschwanden genug Performance auch für komplexe Aufgaben im Bereich des Desk Top Publishings. Sobald Motorola die 68060-Prozessoren in Serie ausliefert, wird auch die neue Top-Medusa zu kaufen sein. Der Preis soll den bisherigen Verkaufspreis für die mit einem 68040-Prozessor ausgerüsteten Medusa T40 nicht übersteigen. Für die Standardausstattung (8 MB Fast-RAM, ST-I/O-Karte, ET4000-Grafikkarte mit NVDI ET4000, 270MB-AT-Bus-Festplatte, HD-Laufwerk, Mini-Tower-Gehäuse und TT-Tastatur) muß somit mit knapp 7700 DM gerechnet werden.


GE-Soft EAGLE

Noch nicht mit einem 68060-Prozessor lieferbar ist der TT-kompatible Eagle der Troisdorfer Firma GE-Soft. Nach diversen Verzögerungen konnte auf der proTOS endlich ein serienreifer Prototyp vorgestellt werden. Die ersten Serienmodelle sollten noch 1994 an die Kunden ausgeliefert werden. Der Preis für den "nackten" Eagle 040 liegt bei 3498,- DM, für 500,- DM Aufpreis erhält man den Adler im Towergehäuse mit 4 MB RAM und einer über NVDI ET4000 betriebenen Grafikkarte dazu (mehr zum Eagle im gesonderten Artikel!).


MagiCMac bei ASH

Der Stand von Application Systems Heidelberg wirkte zunächst auf der proTOS etwas deplaziert, wurde doch Apple's Macintosh in Desktop- und Laptop-Ausführungen präsentiert. Beim genaueren Hinsehen erkannte der neugierige Atarianer auf den Apple-Monitoren den bekannten Ease-Desktop. Des Rätsels Lösung ist die von ASH vertriebene Portierung des Atari-kompatiblen Multitasking-Betriebssystems MagiC auf Macintosh-Rechner mit 68030- und 68040-Prozessoren. Alle sauber programmierten GEM-Programme (die also auch auf einem TT unter MagiC mit einer Grafikkarte laufen) sollen unter MagiCMac funktionieren. Ein zusätzlicher Emulationsmodus für die monochrome 640*400-Auflösung soll auch ältere Programme wie Signum! 2 zum Arbeiten überreden. Auf der Messe konnte bereits eine Vorabversion erworben werden, die offizielle Version MagiCMac 1.0 mit dem Ease-Desktop wurde für Mitte Januar 1995 zum Preis von 298,- angekündigt (mehr zu MagiCMac im gesonderten Artikel!).


Janus

Natürlich war auch VHF Computer mit der Atari-kompatiblen Janus-Steckkarte für DOS-PC in Hennef vertreten. Die Schönaicher führten ihre bekannte Version mit dem 16-MHz-68000-Prozessor vor. Da der Janus im schnelleren Dual-Mode den Intel-Chip des PC für Grafik- und Datei-Operationen nutzt, ist, ermöglicht die Kombination aus INTEL und MOTOROLA inside ein schnelles Arbeiten. Die Steckkarte ist für knapp über 800 DM zu bekommen.


2. HARDWARE-ERWEITERUNGEN und PERIPHERIE


NOVA-Grafikkarte für den Falcon

Bei Hard & Soft konnte ein Prototyp der NOVA-Grafikkarte für den Falcon besichtigt werden. Mit 1 oder 2 MB Video-RAM sind True-Color-Auflösungen (16,7 mio Farben) bis 640 x 480 bzw. 800 x 600 möglich. Da der Prozessor des Falcon von Videoverwaltungs-Aufgaben entlastet wird, steigt die Arbeitsgeschwindigkeit des Rechners in den Farbauflösungen deutlich.


Netwerk über ROM-Port-Interface

Ebenfalls bei Hard & Soft wurde eine Netzwerklösung für zwei Atari-Computer vorgestellt. Die Rechner werden über ein ROM-Port-Interface miteinander verbunden, das es ermöglicht, auf die Massenspeicher oder den Drucker eines anderen Rechners zuzugreifen. Die Übertragungsgeschwindigkeit liegt bei 35-50 KB/s, der Preis bei 199,-DM


Grafiktabletts für Atari

Crazy Bits und Adequate Systems stellten diverse Grafiktabletts für Atari-Rechner vor. Mit ihnen läßt sich über eine Maus-Emulation jedes Programm steuern, das Malprogramm Pixart und das Paint-Modul für Calamus SL unterstützen dazu das Freihandzeichnen über das Grafiktablett. Die Preise liegen je nach Größe und Ausstattung zwischen 249,- und 4500,-, wobei man bereits für rund 400 bis 450 DM ein ArtPad mit druckempfindlichem Stift erhält.


Verschobene Premieren

Barracuda: Leider nur an die Wand hängten Best electronics aus den USA ihr "Barracuda"-Beschleuniger-Board für den Falcon. Das mit einem 68040-Prozessor ausgerüstete Board soll im internen Erweiterungsbus des Falken Platz finden. progemtec: Scanner und Beschleunigerboards hat progemtec, die neue Firma von Wilhelm Mikroelektronik für den Atarimarkt, angekündigt. Leider sagten die Lünener kurzfristig ab. Die neuen Produkte sollen dennoch Anfang 1995 lieferbar sein.


3. SOFTWARE


CURE AUDIO BASIC

Eine neue modulare Harddisk-Recording-Software für den Falcon 030 stellte Akzente Computer und Werbedesign mit CURE AUDIO BASIC vor. Die Software ist GEM-konform programmiert und damit auflösungsunabhängig und multitaskingfähig, enthält diverse Import-Filter, kann mehrere Samples parallel bearbeiten und unterstützt diverse S/PDIF-Interfaces. Der Preis: 129,- DM.


NVDI 3

Bei Behne & Behne konnte die Version 3 des bekannten Bildschirmbeschleunigers NVDI erworben werden, das nun auch Speedo- und True-Type-Vektorfonts unterstützt und somit zur Konkurrenz von SpeedoGDOS 5 (das zusätzlich noch Type1-Zeichensätze unterstützt) wird. Viel Wert wurde auf die hohe Geschwindigkeit der Zeichensatz-Skalierer gelegt. NVDI gibt es bereits in Spezialversionen für diverse Grafikkarten, eine Anpassung an die NOVA-Grafikkarten ist in Arbeit.

Neue Versionen von Skript und That's Write

Daß der Sektor Textverarbeitung auf Atari-Rechnern sehr lebendig ist, beweisen die neuen 4er-Versionen von Skript (Pagedown) und That's Write (Compo).


Linux 68K

Nachdem das nichtkommerzielle UNIX-ähnliche LINUX-Betriebssystem bereits auf anderen Prozessor-Typen eine hohe Popularität erlangt haben, ist jetzt bei Delta Labs auch eine Version für die Motorola-Prozessoren (ab dem 68030) erhältlich. Die Diskettenversion für TT, Falcon, Clones und mit Beschleunigerboards ausgerüstete ST(E) kostet inklusive X-Windows 98,- DM, eine umfangreichere CD-Ausgabe ist in Vorbereitung.


4. JAGUAR

Die Göttinger Firma Pagedown hat den Deutschland-Vertrieb der Spielekonsole Jaguar übernommen und kündigte eine größere Werbekampagne an, die auch die Bereitstellung von Jaguar-Spielstationen in Kaufhäusern und die Herausgabe einer eigenen Jaguar-Zeitschrift beinhalten soll.


5. HARDWARE-AUSVERKAUF

Auf der proTOS wurde auch ohne Vertreter von Atari Benelux holländisch gesprochen. Eine holländische Firma kaufte die Lagerbestände von nicht mehr produzierter Atari-Hardware auf und verramschte die Geräte. Neben älteren Videospielen und 1040 STE konnten auch TT und Großbildschirme erworben werden. Mit etwas "Glück" erhielt man günstig einen STE mit holländischem TOS, mit weniger Glück ein defektes Altgerät.

Das waren die wichtigsten News in Kürze, die interessantesten Neuerscheinungen werden natürlich noch ausführlicher vorgestellt.

Volker Ricke


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