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10 ICONIFY auf dem ATARI (Teil 1: Der Anwender)

ICONIFY auf dem ATARI (Teil 1: Der Anwender)

In letzter Zeit hört man immer öfters ein neues Schlagwort, das nun auch auf dem ATARI Einzug halten soll.

Dieses neue Wort nennt sich "Iconify". Der normale ATARI-Anwender dürfte aber noch nicht so oft damit in Berührung gekommen sein. In diesem Artikel möchte ich mich mit der Thematik der Iconifizierung beschäftigen. Was bringt diese neue Funktion einem normalen Anwender und wie bekommt man sie auf den heimischen Rechner?

WAS ist Iconify



Also schlagen wir mal nach:

Ikone: die, ist ein Heiligenbild, in Holz geschnitzt oder auf Holz gemalt. Ikonen gibt es seit etwa 1500 Jahren. Man findet diese oft sehr schönen und kostbaren Tafeln besonders in den östlichen christlichen Ländern, und zwar in den russischen und griechischen Kirchen.

Dieser Artikel soll nun kein Ausflug in die russische und griechische Vergangenheit werden. Jeder ATARI Anwender kennt Ikone (oder auf Englisch "Icons") von der Bedieneroberfläche des ATARI ST Systems.

Ikone sind die netten kleinen Bildchen, die meistens etwas verbergen. Auf dem normalen Desktop gibt es Diskettenstationen, einen Papierkorb, Drucker und viele Dateien und ausführbare Programme. Icons haben gegenüber normalen Text den gewaltigen Vorteil, daß man auf den ersten Blick erkennen kann, was sich hinter dem Icon versteckt.

Niemand wird auf die Idee gekommen sein, eine Datei auf den Papierkorb zu schieben, um zu erreichen, daß diese ausgedruckt wird.

Das Iconifizieren könnte man somit am besten mit "Verkleinern" oder "Versinnbildlichen" umschreiben. Was für einen Zweck soll denn die neue Funktion haben? Schließlich sind auf dem Desktop bereits die Programme als Icons abgelegt.

Wenn am Computer gearbeitet wird, dann hat man meistens ein Programm geladen, mit dem man gerade arbeitet. Dieses Programm hat, gehen wir von einem GEM-Programm aus, mehrere Fenster geöffnet. Nun hat jeder Bildschirm allerdings einen gewaltigen Nachteil: Egal wie groß er ist, er ist immer zu klein!

Ich war verblüfft, als mir jemand mit einem 17 Zoll Monitor erzählte, daß er sich bald einen größeren Monitor leisten müsse. Er hätte Probleme alles darstellen zu können, was er zum Arbeiten benötigt.

Vermutlich wird ihm der neue Bildschirm auch irgendwann einmal zu klein werden. Ungeachtet dieser Tatsache werden wir uns wieder dem eigentlichen Thema zuwenden.

Betrachten wir als Beispiel einen Editor, in dem man 3 Texte geladen hat, zwischen denen man ein paar Textstellen austauschen möchte. Um zwischen den Textfenstern hin- und herzuschalten ist es keine Lösung, ein Fenster zu schließen. Will man es wieder öffnen, muß der Text erneut geladen werden. Dann darf man erstmal auf die Suche gehen wo man gerade im Text den letzten Teil ausgetauscht hat.

Nun gibt es mehrere Lösungsansätze.

  1. man kauft sich einen größeren Monitor und die entsprechende Grafikkarte.

    Wie bereits oben erläutert ist dies keine Lösung, sondern lediglich ein Verschieben des Problems auf einen späteren Zeitpunkt. Mal ganz davon abgesehen, daß diese Lösung erheblich in den Geldbeutel greift.

  2. Das störende Fenster wird so klein gemacht, daß man das verdeckte Fenster erreichen kann. Dazu müssen folgende Schnritte durchgeführt werden:

  3. Man schiebt das oberste Fenster nur aus dem Blickfeld des Bildschirms. Das bedeutet zwar wesentlich weniger Aufwand, bringt aber andere Probleme mit sich:

Alles in Allem sind die bisherigen Verfahren mit einem viel zu großen Aufwand versehen. Also mußte man sich nach neuen Möglichkeiten umsehen.

Nun haben sich ein paar kluge Leute Gedanken gemacht, wie man einen solchen Umstand beheben könnte. Und da ein Fenster seit jeher einen Knopf zum Vergrößern auf volle Bildschirmgröße hatte, lag der Gedanke nahe, daß man genau das Gegenteil dieses Bedienelemnts verwirklicht.

Also wurde ein Fensterelement erfunden, das selbiges auf die kleinste mögliche Größe zusammenschrumpfen läßt. Und diese tolle Erfindung nannte sich nun Iconify.

Das angewählte Fenster wird soweit verkleinert wie das möglich ist. Dazu werden vom GEM alle unnötigen Bedienelemente des Fensters entfernt. Somit sind keine Möglichkeiten zum Blättern, Vergrößern, Verkleinern und zum Schließen vorhanden. Lediglich die Titelzeile, die zum Verschieben des Fensters dient, ist weiterhin vorhanden.

In diesem kleinen Fenster können nun keine sinnvollen Inhalte mehr dargestellt werden. Daher wird vom Programm ein Bildchen anstelle des tatsächlichen Inhalts in das Fenster gezeichnet. Anhand dieses Icons sollte der Benutzer erkennen können, um was es sich bei dem Fenster handelt, also welchen tatsächlichen Inhalt es hat.

Der aufmerksame Leser wird sich nun fragen, wenn keine Möglichkeit mehr besteht das Fenster zu schließen, oder zu vergrößern, wie soll man denn dann nun an den Inhalt wieder rankommen?

Aber hier hilft das ganz gewöhnliche Benutzerverhalten. Da ein ATARI Anwender seit jeher mit Icon's wie dem Papierkorb, oder den Diskettenstationen zu tun hatte, wird er auch hier mit einem Doppelklick auf das kleine Fenster belohnt werden, indem sich das Fenster wieder an der alten Position öffnet. Die Anzeige des Fensters ist auch identisch mit der Anzeige vor dem verkleinern/ikonifizieren des entsprechenden Fensters.

Mit einem Klick kann man somit ein störendes Fenster verkleinern und mit einem Doppelklick wieder auf die ehemalige Größe bringen. Dadurch kann ein Datenaustausch zwischen zwei Fenstern viel schneller und einfacher bewältigt werden.

Auch hat man durch sinnvoll gewählte Fensterüberschriften und aussagekräftige Icon's keine Probleme beim Identifizieren des kleinen Fensters. Durch diese Möglichkeit ist ein flüssiges Arbeiten kein Problem mehr.

Jeder der z.B: den Texteditor TEMPUS kennt, oder den Resource-Editor INTERFACE, der weiß genau wovon gesprochen wird.

Dort werden zwar noch keine getrennte Bedienelemente für das Iconify verwendet, sondern beim schließen des Fensters wird davon ausgegangen, daß der Anwender lediglich ein Ikonifizieren wünscht.

WIESO ist denn dann Iconify was neues?


Die Funktion Iconify, von der in letzter Zeit des öfteren gesprochen wird, ist allerdings viel flexibler.

Das bisherige Iconifizieren war nur innerhalb eines Programms möglich. Sobald man aber eine Multitaskingumgebung besitzt vergrößern sich die oben genannten Probleme.

Man hat immer öfters den Bedarf ein Programm nicht zu beenden. Man arbeitet vielleicht gerade mit einem DFÜ-Programm und ist gerade in einer Mailbox um einen Brief zu schreiben. Nun braucht man aber ganz dringend eine Information aus einer Tabellenkalkulation.

In diesem Fall "Iconifiziert" man einfach das DFÜ-Programm und startet die Tabellenkalkulation. Somit hat man den kompletten Bildschirm für die Kalkulation zur Verfügung und kann dann später einfach durch Iconifizieren des aktuellen Programms und reaktivieren des DFÜ-Programms wieder den Bildschirm komplett für das DFÜ-Programm freischalten.

Wenn es jetzt nur um den Bildschirm ginge, kann man das Verfahren ja bereits auch auf einem normalen ST verwenden. Man kann ohne weiteres das DFÜ-Programm verlassen, die Tabellenkalkulation starten, den Wert abschreiben, das Programm beenden und wieder in's DFÜ-Programm gehen.

Das Ikonifizieren von ganzen Programmen ist allerdings nicht mit dem Verlassen eines Programms zu vergleichen. Beim Ikonifizieren wird lediglich der Bildschirm freigeräumt. Nur das Icon in einem kleinen Fenster erinnert an das Programm. Im Speicher des Computer bleibt allerdings weiterhin das Programm aktiv und kann weiterarbeiten.

Das Ikonifizieren von ganzen Programmen ist somit nur für eine Multitaskingumgebung sinnvoll. Wenn man auf einem normalen ST ein ganzes Programm ikonifizieren würde hätte man keinen Vorteil, da dann der Bildschirm zwar frei ist, aber lediglich von evtl. gelandenen ACC`s benutzt werden kann.

Unter Multitasking kann man aber damit viel mehr anfangen, da dort ja mehrere Programme gleichzeitig laufen können. Somit ist das Ikonifizieren von Programmen unter Multitasking mit dem Ikonfizieren von Textdateien unter TEMPUS oder 7UP vergleichbar.

Diese Funktion ist vielen sicherlich durch Windows auf dem PC bekannt. Dort ist es ebenfalls möglich, laufende Programme mit einem Klick auf ein Icon zu verkleinern, um dann schnell darauf zugreifen zu können.

WANN kann ich das Iconify benutzen ?


Das derzeit ausgelieferte MultiTOS kann Iconify leider noch nicht! Es existiert derzeit zwar eine Beta-Testversion eines neueren MultiTOS in der diese Funktion bereits eingebaut ist, aber diese Version wird den Anwender nicht so schnell erreichen.

Mag!C (ehemals Mag!X) kann in der Version 2 bisher auch noch kein Iconify. Aber es wurde bereits für die Version 3 angekündigt, so daß die Programmierer die Programme bereits darauf umstellen sollten. In Mag!C ist noch eine Besonderheit eingebaut. Dieses Multitaskingsystem stellt eine Funktion zur Verfügung, die dem Iconify sehr ähnlich ist.

Unter Mag!C ist es möglich, Programme "auszublenden". Der Zweck ist genau der gleiche wie beim Iconify. Ein Programm, das sich auf dem Bildschirm "breitgemacht" hat, wird mit einem Klick aus der Sichtweite, aber nicht aus dem Speicher entfernt, so daß der Bildschirm für neue Anwendungen frei ist.

Bei der Anwendung dieses Verfahrens wird das Programm mit allen Fenstern allerdings komplett vom Bildschirm entfernt. Es bleibt nicht mal ein Icon übrig. Lediglich unter dem Systemmenü kann man erkennen, daß ein Programm noch vorhanden ist.

Diese Methode hat den Nachteil, daß man nicht auf den ersten Blick erkennt, welche Programme so alles noch im Speicher sind, aber ausgeblendet wurden.

Der Vorteil dieses Systems dagegen ist, daß an den Programmen nichts geändert werden muß. Leider sind aber dennoch nicht alle Programme mit dieser Funktion nutzbar. Manche Programmierer sind nämlich der Ansicht, daß man ein Fenster immer komplett am Bildschirm sehen sollte. Daher wurden in diese Programme Begrenzungen eingebaut, die es nicht erlaubten, ein Fenster außerhalb des Bildschirms abzulegen.

Mag!C täuscht den Programmen beim Ausblenden lediglich eine Verschiebung des Fensters außerhalb des Bildschirms vor. Ist allerdings oben angesprochene Begrenzung in den Programmen vorhanden, funktioniert das ausblenden unter Mag!C leider nicht.

WARUM gibts dann einen Artikel darüber ?


Es gibt noch eine weitere Möglichkeit das Iconify bereits jetzt schon zu verwenden. Dirk Haun hat eine Library zusammengestellt, mit der es Programmierern möglich ist, ihre Programme bereits jetzt mit der Funktion "Iconify" auszustatten.

Dazu ist ein Programm Namens ICFS (Iconify-Server) in den Autoordner zu kopieren, der für die Programme diverse Funktionen zur Verfügung stellt. Dieses Programm ist über jede gut sortierte Mailbox erhältlich und Freeware!

Leider war es nicht möglich das Fensterelement für das Ikonifizieren im ICFS mit einzubauen. Daher ist eine etwas abgewandelte Form der Bedienung mit dem ICFS notwendig. Dort wird das Schließfenster im Zusammenhang mit des Sondertasten SHIFT, CONTROL oder ALTERNATE verwendet um festzulegen, ob das ganze Programm oder nur einzelne Fenster Ikonifiziert werden sollen.

Die tatsächliche Bedienung ist den entsprechenden Anleitungen der einzelnen Programme zu entnehmen.

Zur Zeit unterstützen folgende Programme den ICFS (Stand 04.11.1994):

Programm ab Version Typ Autor
Chatwin 3.01 Shell Dirk Haun
Égale 2.0 Dateiutility David Reitter
GEM-Solitaire 1.13 GEM-Spiel Dirk Hagedorn
IconMan 0.63 Icon-Utility Dirk Haun
Kandinsky 1.69 Zeichenprog. Ulrich Rossgoderer
Lazaz! 2.07 Packershell Andreas Papula
SysInfo 2.10 Systeminfo Thorsten Bergner
Tricky 1.00 GEM-Spiel Dirk Hagedorn
WinLupe 6.70 Utility Christian Grunenberg
XAcc-Spy 25.03.94 XACC-Utility Thomas Much
Yukon Rel. D Kartenspiel Dirk Haun
Zeig's mir 0.22 Dateiviewer Reiner Rosin

Folgende Bibliotheken unterstützen den ICFS, so daß sich Programmierer viel Arbeit sparen können:

Bibliothek ab Version Sprache(n) Autor
EnhancedGEM 2.00 PC, LC, GC Christian Grunenberg
ObjectGEM 1.11 Pure Pascal Thomas Much
SysGEM 1.10 PC, PP Andreas Pietsch
Windoze PL 0 Pure C Dirk Haun

(PC: Pure C, PP: Pure Pascal, LC: Lattice C, GC: GNU C)

Ich hoffe, daß ich mit diesem kleinen Artikel nun ein bißchen Klarheit in diese Funktion gebracht habe. In einem weiteren Artikel werde ich dann auf die Programmierung des ICFS und die Betriebssystemfunktionen eingehen.

Michael Pieper


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